Erfahrungsbericht von Juliane und Dennis

Unser kleiner Wanderzirkus

Dieser Erfahrungsbericht erreichte uns in den letzten Tagen. Ich wünsche allen viel Spaß beim Durchlesen bei diesem „etwas anderen Erfahrungsbericht“ und bedanke mich gleichzeitig nochmals an Juliane und Dennis, welche den Erfahrungsbericht geschrieben haben.

Wenn du auch Interesse hast, deine Erfahrungen hier zu teilen, melde dich bitte unter info@fernwanderweg-oberstdorf-meran.de. Alle weiteren Interviews findet ihr im Menüpunkt Erfahrungsberichte. 

Hallo liebes Team von fernwanderweg.de,

wir haben uns wahnsinnig gefreut als auf eurer Facebook Seite lesen konnten, dass Ihr Interessierte sucht, die euch einen Erfahrungsbericht einer diesjährigen Alpenüberquerung der Route Oberstdorf-Meran zur Verfügung zu stellen. Da wir einen Großteil unserer Informationen zum „Angehen“ der Alpenüberquerung auf eurer Seite finden konnten und so letzte Zweifel bei uns ausgeräumt wurden, geben wir mit unserem Bericht gerne etwas zurück.

Nach unserer Alpenüberquerung haben wir für uns und unsere Familien die Tour grob zusammengefasst um ggf. später mal einen Bericht schreiben zu können, da wir eigentlich planen ab nächstem Jahr einen (Video-)Blog über unseren kleinen Wanderzirkus zu erstellen. Also hier unsere grobe Zusammenfassung und viel Spaß beim Lesen:

 

Wir? Unser kleiner Wanderzirkus besteht aus Lia (27 Jahre), unser Hund Capper (4 Jahre) und Dennis (32 Jahre). Wie ihr euch später am Foto unseres Hundes denken könnt, haben viele unser Vorhaben mit unserem kleinen Hund nicht für voll genommen und als Schnapsidee abgetan, ja ja der kleine Hund. Ja der kleine Hund, aaaaaaaber, der kleine Hund ist halt ein Terrier und liebt das marschieren mit uns in den Bergen.

Zu Hause sind wir in der Mitte Deutschlands, in Kassel, und nutzen unsere Zeit am Wochenende mit regelmäßigen langen Wanderungen im naheliegendem Habichtswald oder im Nationalpark Kellerwald. In den letzten Jahren haben wir dann das Bergwandern für uns drei entdeckt und nachdem wir in unseren jährlichen Wanderurlauben in Berchtesgaden und Umgebung die ersten mehrtägigen Hüttenwanderungen gemacht haben, ist in uns der Wunsch gewachsen uns an die Alpenüberquerung Oberstdorf – Meran zu wagen.

Wir ihr euch vorstellen könnt, war natürlich die Planung der einzelnen Etappen aufgrund des Hundes nicht ganz so einfach, denn den möchte man ja nur ungern alleine draußen schlafen lassen. Nachdem wir uns mit Hilfe der gängigen Reiseführer von Rother und outdoor ausgestattet hatten und unzähligen Mails mit Ferienwohnung, Hotels und Alpenvereinshütten hinter uns hatten, hatten wir dann unsere „Route“, wie wir zumindest dachten, vorerst gefunden. Aber auch wir haben auf dem Weg gelernt, dass es doch anders kommen kann, egal was man geplant hat.

 

 

Tag 1 (Oberstdorf Bahnhof – Spielmannsau):

Unter dem Motto „4 Pfoten für ein buongiorno“ sind wir dann Ende August per Zug nach Oberstdorf aufgebrochen.

Mittags am Bahnhof angekommen sind wir direkt in Richtung Spielmannsau gestartet und wie bei wohl so vielen „Einsteigern“ haben auch wir gedacht, nach geschätzt 0,5% der Gesamtstrecke, dass wir und unsere Rucksäcke in der bevorstehenden Woche alles andere als gute Freunde werden würden.

 

Blick von der Spielmannsau ins Trettachtal

Die erste Nacht haben wir in der Spielmannsau im Hostel geschlafen und konnten dank unserer „Bestie auf 4 Pfoten“ alleine im Mehrbettzimmer bleiben, denn wie uns später erzählt wurde, hat das Pärchen was eigentlich mit im Zimmer schlafen sollten, unwissend der Größe und Niedlichkeitsfaktor unseres Hundes, noch schnell an der Rezeption ihr Zimmer auf ein 2-Bett Zimmer upgegradet.

 

 

Tag 2 (Spielmannsau – Madau):

Am nächsten Tag ging es für uns dann endlich richtig los. Noch abends haben wir uns von der Hälfte unseres eingepackten Proviants im Rucksack getrennt und siehe da, ohne gefühlte 5 Pfund Nüsse und Trockenfrüchte und mit der richtigen Einstellung wurde der Rucksack langsam aber sicher, naja, nennen wir es ‚erträglich’.

Von der Spielmannsau aus ging es Richtung erstes Zwischenziel zur Kemptner Hütte. Der Weg führte uns erst ebenerdig durch kleinhügelige saftig grüne Kuhweiden zur Materialseilbahn der Kemptner Hütte. Mit der Materialseilbahn ließen wir auch die ebene Streckenführung hinter uns, ab jetzt begann der Aufstieg. Zunächst noch bei moderater Steigung, ging es durch schattenspendenden Wald, anschließend, nach Überquerung des Sperrbachs über eine Brücke, stieg es steil an Richtung Kapelle Maria am Knie, teilweise wurde der Aufstieg aber durch Stufen erleichtert. Anschließend ging es das letzte Stück durch den Sperrbachtobel weiter bergauf an kleinen Sturzbächen und Wasserfällen vorbei, die dank Seilversicherungen trotz Nässe sicher zu begehen waren.

Auf der Kemptner Hütte angekommen wurde die Gelegenheit zur ersten Einkehr natürlich umgehend genutzt und wir stärkten uns für den bevorstehenden Grenzübergang.

Nach kurzer Strecke war das Mädelejoch erreicht und somit der Grenzstein zwischen Österreich und Deutschland und einem der bekanntesten Fotomotive der Tour.

 

Ein paar Erinnerungsfotos später begann der Abstieg in Richtung Lechtal, hinab nach Holzgau. Zunächst steil bergab über teils nachrutschendes Geröll, anschließend weniger steil über befestigte Wege in Richtung des bekannten Cafe Uta. Beim Cafe Uta angelangt muss man sich entscheiden, rechts zum Simms-Wasserfall oder links hinauf zur Hängebrücke. Wir hatten uns bereits vorher für die Hängebrücke entschieden die wir wenige Minuten später erreichten. Über die schwingende Stahlkonstruktion ging es auf die andere Seite und im Anschluss in den Ortskern von Holzgau.

Von dort aus ging es mit dem Feuersteintaxi in Richtung gebuchte Unterkunft zum Berggasthof Madau.

 

Tag 3 (Madau – Zams):

Während des wirklich reichhaltigen Frühstücksbuffets bekamen wir sowohl von einem 72-jährigen „E-5-Urgestein“ und auch vom Wirt selber den Tipp doch auf die Route durchs Alperschontal auszuweichen und über die Ansbacherhütte nach Schnann zu wandern.

Mit diesem Ratschlag im Gepäck und dem Versprechen, dass uns auch dort ein mehrstündiger kräfteraubender Abstieg erwarten würde, machten wir uns mit geänderter Route wieder auf den Weg.

Memminger-, Würtemberger- oder Ansbacherhütte?

Ansbacher Hütte! Die Entscheidung war getroffen.

Hängebrücke-Holzgau

Wie vom Wirt beschrieben, war der Weg wenig frequentiert und ebenso mit tollen Aussichten gespickt. Zunächst ging es für uns durch den Wald über einen Forstweg, bis wir nach gut einer Stunde diesen verließen und fortan einem Wanderweg über Wiesen folgte. Eine kurze Rast auf einer Brücke kam wie gelegen, ehe ein wirklich zäher und mühsamer Aufstieg in Richtung Flarschjöchl begann. Zunächst führte der Weg noch moderat an einem grünen Hang entlang, ehe wir nach einem Hochplateau durch Geröll das letzte steile Stück in Richtung Flarschjöchl nahmen.

Über das Flarschjoch ging es weiter zur Ansbacher Hütte und von dort aus nahmen wir den vermutlich nicht weniger strapazierenden Abstieg (ca. 1200Hm) über die Fritz Hütte hinab ins Tal und weiter durch waldiges Gebiet in Richtung Dorf Schnann und kurz vor dessen Erreichen noch durch die gleichnamige Klamm. Von Schnann aus ging es für uns mit dem Bus zurück auf die geplante Route nach Zams.

In Zams war leider der Postgasthof Gemse schon vor Antritt der Reise ausgebucht, sodass wir auf auf dessen „Zweigstelle“ Pension Haueis ausweichen mussten. Das Abendessen konnten wir dann trotz Ruhetag noch im Postgasthof Gemse einnehmen und hatten das große Glück, dass der „Erfinder“ der Route Oberstdorf-Meran Udo Zehetleitner gerade zwei Gruppen seiner Bergschule einen Vortrag über die Alpenüberquerung gehalten hat. Da schmeckt das Schnitzel doch gleich viel besser, zumal es laut Udo ja eigentlich ein Tiroler-Schnitzel ist und kein Wiener-Schnitzel.

 

 

Tag 4 (Zams-Wenns):

Nach einer erholsamen Nacht und einem stärkenden Frühstück, ging es für uns am nächsten Morgen weiter zur wenige Meter entfernten Venetbahn und in einer proppenvollen Kabine ,in für uns mittlerweile ungewohnter Eile, hinauf auf den Berg. Oben angekommen entschieden wir uns aufgrund der vor uns laufenden Gruppen für den Panaromaweg und sind bei bestem Wetter in Richtung Gogles Alm am Hang entlanggewandert. Nach einer kurzen Stärkung mit einer leckeren Buttermilch ging es für uns weiter, auch wenn es Capper mehr als schwer gefallen ist seine neue Liebe in Form des Hofhundes nach kurzer Zeit wieder verlassen zu müssen. Von der Gogles Alm ging es weiter, erst zur Galfunalm und im Anschluss aufgrund eines kurzen Regenschauers mit längerer Einkehr in geselliger Runde auf der Larcheralm. Auf der Larcheralm haben wir alle bekannten Gesichter wiedergetroffen, die gemeinsam mit uns vor wenigen Tagen in der Spielmannsau gestartet sind. Bei der Gelegenheit wurde das breite Schnapssortiment des Wirtes getestet, da nach dessen Aussage durch geschicktes Kombinieren von Zirbe-, Nusser- und Latschenkieferschnaps das Wetter beeinflusst werden kann.

Panoramablick des Panoramawegs

Gerade rechtzeitig sind wir dann schlussendlich noch vor Eintritt der Dunkelheit in Wenns im Rutsche-Hostel angekommen und konnten von dort dank beheiztem Schuhraum am nächsten Tag mit trockenem Füßen unsere Weiterreise antreten.

Tag 5 (Wenns-Vent):

Mit frischen Leberkässemmeln von der Frischetheke im örtlichen Supermarkt bewaffnet hieß es zunächst auf den nächsten Bus in Richtung Mittelberg zu warten.

In Mittelberg angekommen und ganz beschwingt vom schwerelosem Gefühl auf dem Rücken, dank Materialseilbahn, ging es mit dem Nötigsten bepackt in Richtung Braunschweiger Hütte, dem für uns im Nachhinein wohl anstrengendsten Aufstieg auf der gesamten Route. Dies war auch die einzige Etappe in der wir Capper über weite Teile tragen mussten, da wir befürchten mussten, dass die ständigen Vorsprünge aus Fels zu viel für seine Gelenke sein könnten. Somit hatte Capper dann heute mehr oder weniger einen Ruhetag und konnte die Aussicht aus seinem Tragerucksack genießen.

Alle Strapazen des Aufstiegs waren mit dem ersten Blick auf den Gletscher vergessen, auf den man unvermittelt darauf schauen konnte, als man um einen Vorsprung gebogen kam.  Dieser Anblick bleibt einer der eindrucksvollsten der ganzen Tour in unseren Augen.

Schlussendlich auf der Braunschweiger Hütte ging es für uns nach kurzer Stärkung wieder weiter, da wir im Vorfeld schon abgeklärt hatten, dass wir mit Hund leider keine Chance auf eine Übernachtungsmöglichkeit auf der Hütte haben sollten und demzufolge weiter nach Vent mussten. Mit unserem heutigen Ziel, das Hotel Similaun, lagen ja noch einige Stunden Fußmarsch vor uns. So sind wir dann zügig weiter über das Rettenbachjoch und anschließend ohne Pause und weitere Fotos über den Panoramaweg nach Vent.

Im Hotel angekommen hieß es dann endlich die qualmenden Füße hochzulegen und nach dieser doch wirklich anstrengenden Tour bei bestem Sommerwetter alle Vorzüge eines Hotels zu genießen und Kraft zu tanken für die noch anstehende Etappe(n).

 

Tag 6 (Vent-Vernagt):

 

Am nächsten Morgen ging es nach einem tollen Frühstück wieder weiter, ran an die letzte Etappe der Alpenüberquerung. Heute hieß es für uns von Vent aus über die Martin-Busch –Hütte und die Similaun Hütte hinab ans Ziel, an den Vernagter Stausee, zu wandern, also wieder ein gutes Programm für die mittlerweile gut eingelaufenen Beine. Auf der Martin-Busch-Hütte bereuten die Betreiber es, dass man uns mit unserem kleinen Hund als Übernachtungsgast zuvor abgelehnt hat. Naja, man kann eben nicht alles haben. Vielleicht hätten wir vorher ein Bild schicken sollen. So hieß es nach einer kurzen Einkehr für uns wieder den Rucksack zu schultern und den letzten „harten“ Aufstieg in Angriff zu nehmen. Nachdem wir die Schafherde an der Martin-Busch-Hütte hinter uns gelassen hatten, mussten wir uns am Abzweig zur Ötzi Fundstelle wegen den schwarzen Wolken am Himmel leider gegen einen Abstecher zur Fundstelle entscheiden und sind dann weiter in Richtung Similaun Hütte aufgestiegen, mit ständigem Blick nach oben in Richtung Gewitterwolken. Ab jetzt machte sich das Alter bemerkbar und wir hatten Mühe unserem kleinen Vorweggeher folgen zu können. Kleiner Scherz am Rande, aber an diesem Tag fragten wir uns wirklich, was der Hund wohl gefrühstückt hatte.  Mit jedem Höhenmeter legte Capper eine Schippe drauf und zog davon.

Gerade noch rechtzeitig kamen wir an der Similaun Hütte an und konnten aus dem Gastraum beruhigt zu sehen wie innerhalb kürzester Zeit die Wolken sich kurz entleerten, um keine 20 Minuten später wieder Platz für den schönsten Sonnenschein zu machen. Nach dieser kurzen Pflichtpause auf über 3000 Meter nahmen wir den Abstieg in Richtung Stausee in Angriff. Das unwirkliche blau des Sees ständig im Blick, hieß es die zuvor erklommenen Höhenmeter wieder in gegenteiliger Richtung aufzuheben. Nach der serpentinenartigen Wegführung betraten wir seit dem morgigen Start am Hotel nun wieder grüne Wiesen und befanden uns mit ständigem Murmeltier(„Fan“)Gesängen sozusagen auf der Zielgeraden.

Mit Erreichen des Stausees hatten wir unser Ziel erreicht und die Alpen hinter uns gelassen, aber für uns war die Reise hier noch nicht zu Ende. Wir hatten noch Urlaub, Kraft und Budget übrig, sodass wir auch die restliche Strecke bis Meran zu Fuß bewältigen wollten.

Gebrandmarkt vom Weg der letzten Tage und mit dem wahnsinnigen Gefühl es endlich geschafft zu haben, einmal über die Alpen gegangen zu sein, ging es für uns in die gebuchte Unterkunft auf einen urigen ‚agriturismo Bauernhof’, dem Obergamphof.

 

Tag 7 (Vernagt – Giggelberg):

Nach einer verdammt erholsamen Nacht und einem wahrhaften Bauernfrühstück mit toller Unterhaltung, der guten Seele des Hofes, der Oma, ging es für uns nun weiter in Richtung Meraner Höhenweg. Mit dem Bus fuhren wir zunächst bis Katharinenberg und folgten von dort aus weiterhin bei strahlendem Sonnenschein nun dem Meraner Höhenweg. Hier folgte eine Waldlichtung nach der anderen und eine Jausenstation auf einladenden Höfen und immer wieder schattige Waldstücke und das ganze wie auf einem Panoramaweg am Hang entlang des Tals. Die heutige Etappe führte uns über eine Einkehr auf dem wirklich schönen Pirchhof weiter über die 1000-Stufen Schlucht weiter zu unserer heutigen Unterkunft, endlich einmal oben auf dem Berg ins Gasthaus Giggelberg. Mit einem fantastischen Ausblick ins Tal konnten wir dort bei einem Glas Wein den letzten Abend hoch oben mit Blick auf das Lichtermeer in Meran noch einmal so richtig genießen.

 

Tag 8 (Giggelberg – Meran):

Auch wenn wir unsere Alpenüberquerung noch mit einem Teilstück des Meraner Höhenweg ein wenig strecken konnten, so hieß es am Morgen diesen Tages dann aber dennoch und unausweichlich nach dem Frühstück, ein letztes Mal Schuhe binden und Rucksack schultern und weiterlaufen. Von Giggelberg ging es los in Richtung Schutzhütte Nasereit und weiter zum Schutzhaus Hochgang. Am Schutzhaus Hochgang dann noch eine letzte Einkehr mit wirklich leckeren Brennnesselknödeln. Schweren Herzens ging es weiter über den Hans-Friedrich-Felsenweg zur Bergstation Hochmuth und von dort aus mit der Seilbahn endgültig hinab ins Tal und nun wirklich ans Ende unserer Tour.

Panoramablick auf Meran

In Meran hieß es noch 2 Tage entspannen bei der endlich und wirklich verdienten Pizza in der Altstadt und bei der ein oder anderen Kugel Eis noch durch die Kurstadt zu flanieren und langsam den Urlaub ausklingen zu lassen und die Eindrücke zu sammeln und wirken zu lassen.

Capper streckt alle Viere von sich

Und auch für Capper hieß es erstmal alle Viere von sich zu strecken.

Die fast 10stündige Rückreise mit der Bahn in Richtung Kassel konnten wir prima nutzen um eine erste Sichtung der Fotos und Videos vorzunehmen.

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