„Es ist und bleibt eine Hammer-Tour!“ – Interview mit Gabi

@holidayhikes.at

Dies ist ein ganz besonderes Interview, über die E5 Alpenüberquerung. Nämlich mit Gabi, einer Bergführerin aus Österreich. Sie erzählt über die Arbeit als Bergführerin auf dem E5 Fernwanderweg und verrät viele interessante Tipps und Informationen.

Alle weiteren Interviews findet ihr im Menüpunkt Erfahrungsberichte.  Wenn du auch Interesse hast, deine Erfahrungen hier zu teilen, melde dich bitte unter info@fernwanderweg-oberstdorf-meran.de.

Auf diesem Weg bedanke ich mich nochmals ganz herzlich bei Gabi.

 

Über dich: Wer bist du? Woher kommst du? Warum bist du Bergführer geworden?

@holidayhikes.at

Gabriëla ist mein Name, oder einfach Gabi! Ursprünglich komme ich aus Holland, aber mein Vater kommt aus den Karpaten und ich wohne seit mehrere Jahren in Österreich. Seit ich klein war, waren wir schon viel im Bergen unterwegs. Schifahren, Wandern…immer raus und in die Berge! Als ich vor etwa 5 Jahre die Chance bekommen habe in Österreich zu wohnen und zu arbeiten – mitten im Alpenraum – habe ich mich dafür entschieden. Deshalb ich damals die Ausbildung zum Bergwanderführer gemacht. Und jetzt habe ich bereits mein Hobby zu meinem Beruf gemacht, und nun kann ich mein Liebe für die Bergen mit vielen teilen.

 

Deine Arbeit als Bergführer: Bitte erzähl uns kurz wie für dich als Bergführer eine E5 Alpenüberquerung abläuft und wie viele Personen normalerweise in deiner Gruppe sind.

@holidayhikes.at

Unser Start ist normal in Oberstdorf am Bahnhof. Da treffe ich meine Gruppen. Von dort aus geht es dann auf zur ersten Hütte. Am nächste Tag macht man schon den  Übergang nach Österreich. Als nächstes kommen wir ins Lechtal, Pitztal und Ötztal. Vom Ötztal aus kommen wir dann vorbei an die Fundstelle von Ötzi und die höchste Hütte auf der ganzen Tour (3019m). Um danach über das Schnalstal nach Italien zu kommen. Dabei ist man schon eine Woche unterwegs. Unsere Gruppen sind dabei immer klein: 5 bis maximal 12 Teilnehmer. Es gibt auch Bergschule welche größeren Gruppen führen, aber selber finde ich eine kleinere Gruppe eindeutig besser. Dann hat man einen guten Kontakt mit jedem Gast und ist die Gruppendynamik ist einfach besser.

 

Erste Alpenüberquerung: Welche Erinnerungen und Eindrücke hast du an deine erste Alpenüberquerung auf dem E5?

@holidayhikes.at

Meiner ersten Überquerung habe ich als Zusatzführererin gemacht. Dies ist eine Regel für die Bergschule bei welcher ich arbeite, da Qualität und Erfahrung zwei wichtige Faktoren sind. Somit kann man bereits genau lernen worauf man achten muss, wie die ganze Abläufe funktionieren, und so weiter. Die Tour war sehr schön, aber ich erinnere mich noch genau das wir sehr viel Schnee gehabt haben, da wir die erste Tour der Saison gemacht haben. Es war werklich Anspruchsvoll und jeder war sehr froh das wir mit etwas mehr Führer unterwegs waren. Wirklich einer sehr toller und beeindruckenden Überquerung!

 

Die Hütten und Unterkünfte: Wo nächtigst du normalerweise bei der Alpenüberquerung? Wie kommst du mit dem Hüttenflair zurecht?

@holidayhikes.at

Eigentlich nächtig ich immer auf Hütten. Nur bei den Komfort oder 50+ Touren nicht, denn da schlafen wir auch mal im Hotel im Tal. Aber, selber empfinde ich das Hüttenflair als einen wichtigen Teil der Alpenüberquerungen. Das Gefühl, nach einem krassen Anstieg, die Hütte zu erreichen und dann auf der Terrasse das Gefühl des Sieges mit einem kalten Getränk zu genießen, einfach super! Am Ende führt jeder Teilnehmer seine eigene Alpenüberquerung und für jeden ist es eine persönliche Herausforderung. Auf der Hütte kann jeder sein eigenen Sieg feiern und das auch noch mit Gleichgesinnte.

 

Mitglied im Alpenverein: Empfiehlst du Mitglied im Alpenverein zu werden für eine Alpenüberquerung? Bitte begründe deine Antwort.

Eindeutig! Jeder welcher davon träumt die Alpenüberquerung zu machen, hat etwas mit den Bergen zu tun. Wir wollen alle gerne das diese Umgebung, die tolle Natur, auch in Zukunft noch erhalten bleibt. Eine Mitgliedschaft beim Alpenverein ist billig, nur 40-50 Euro pro Jahr. Damit unterstütz man den Schutz vom Alpenraum und ist gut versichert unterwegs. Dazu bekommt man auch noch Rabatt auf den Hütten, wenn man Privat unterwegs ist, und für zu Hause erhält man noch das Alpenverein Magazin. Somit eigentlich nur Vorteilen!

 

Die allgemeine Stimmung: Wie nimmst du die anderen Wanderer auf dem Weg wahr? Sind Hütten, Taxis und der Weg allgemein öfters überfüllt? Wie hältst du die Stimmung und Motivation in der eigenen Gruppe aufrecht?

In der Hauptsaison kann ziemlich viel los sein auf der Hauptroute von Oberstdorf nach Meran. Da aber alle für das gleiche Ziel da sind, kommt man eigentlich mit allen gut aus. Die Leute sind einfach entspannt, genießen die Natur und finden es auch toll sich mit anderen Wandern zu unterhalten. In meiner eigenen Gruppe versuch ich immer vom Anfang ein Gruppengefühl zu erstellen. Wir sind eine Gruppe und bleiben einer Gruppe! Keiner ist allein in dieses Abenteuer und gemeinsam können wir eigentlich alles überwinden. Wann man so anfängt, dann funktioniert es vom Start an super! Jede Gruppe hat immer ein Stimmungsmacher, eine ernsthaften Person, eine stillere Person, usw.. Jeder kann dabei er selbst sein und dann ist es für jeden eine gute Tour.

 

Deine Tipps: Was würdest du einem „E5 Neuling“ auf jeden Fall empfehlen?

Unterschätze die Tour nicht! Es ist keine Anfängertour. Man braucht schon eine gute Kondition und ein gewisse Bergerfahrung. Idealerweise ist man mit einem Bergwanderführer unterwegs, welcher sich bestens mit der ganzen Route und den Abläufen der Tour auskennt. Dieser kann auch gut einschätzen ob eine Etappe zu schwer ist oder nicht. Leider passiert es oft das wir nach 1 oder 2 Tagen einen Teilnehmer ins Tal schicken müssen, da er den langen Weg bis nach Meran höchstwahrscheinlich nicht durchhalten würde. Mein Tipp ist, bereitet dich selber gut vor, bau bereits im Vorfeld Kondition auf, mach auch gerne schon einige Wandertouren und sei dir deiner eigenen Fähigkeiten bewusst. Dann steht dir nichts mehr im Wege!

 

Das Wetter: Musstest du wegen dem Wetter die Tour schon einmal abbrechen?

Es ist sehr sicher Möglich, aber selber habe ich es noch nicht mitgemacht. Regen ist normalerweise kein Problem, aber ein Sturm oder Schneefall können ein richtiges Problem darstellen. Es ist schon passiert das die Führer am Morgen erstmal die Route ´Schnee- ein Eisfrei´ machen müssen, bevor man mit der Gruppe loslaufen kann. Aber dies ist mehr eine Ausnahme als die Regel.

 

Die Motivation: Wie hat sich diese im Laufe der ganzen Alpenüberquerungen für dich persönlich verändert? Freust du dich immer noch auf jede einzelne?

@holidayhikes.at

Für mich selber ist jede Tour ist noch immer ein Abenteuer. Es ist und bleibt ein Hammer-Tour! Oft laufe ich die Tour 2- oder 3-mal hintereinander, ohne Pause. Und jedes Mal ist die Tour wieder anders. Eine neue Gruppe, neue Gästen, andere Atmosphäre…keine Tour ist gleich. Und auch die Natur ändert sich ausnahmslos. So ja, ich freu mich noch immer auf jede einzelne Tour!

 

Schwierige Passagen: Was sind die schwierigsten Passagen der E5 Alpenüberquerung? Worauf ist dabei zu achten?

Der Anstieg- und Abstieg von der Seescharte ist doch ein von den schwierigen Passagen, vor allem wenn diese noch mit Altschnee bedeckt ist. Aber dafür haben wir ein sehr schönen Abstieg-Technik entwickelt…rutschen! Super toll, einfach und mit wenig Risiko. Einfach auf der Regenhülle vom Rucksack oder die Wanderhose. Am Ende, kann man genau da das innere Kinde herauslassen und das Rutschen im Schnee macht einfach allen Spaß!

 

Höhepunkte einen Bergwanderführer selbst: was sein für dir ´Highlights´ von der klassischen Alpenüberquerung? In Bezug auf Hütten, Essen, Flora und Fauna?

@holidayhikes.at

Selber finde ich eigentlich jede Hütte toll. Alle haben einen eigenen Charakter und etwas Einzigartiges. Während die eine Hütte sehr urig und gemütlich ist, hat die andere z.B. ein modernes Badezimmer. Und die Abwechslung macht jede Hüttenübernachtung zu etwas speziellem.

Wann man auf dem E5 unterwegs ist, bekommt man eigentlich überall super essen! Aber vor allem in Zams ist das Essen einfach super! Wir übernachten in Zams immer im Hotel Gämse, das älteste Gasthaus der Stadt. Hauptspeise ist immer das berühmte Schnitzel. Und zusammen mit einem eigenen Bett und einer frischen Dusche ist dies genau was die ganze Grupp braucht!

In Bezug auf die Natur gibt es viele Highlights. Aber einzigartig sind die Steinböcke bei der Memminger Hütte. Am Nachmittag kann man da auch nochmal den Seekögel besteigen und dabei kommt man den Tieren sehr nah. Einzigartig! Selber finde ich auch immer die Alpenpflanzen sehr interessant. Diese sind wirklich sehr speziell und nur im Alpenraum zu finden. Im Bereich vom Pitztal beim Rettenbach Gletscher, kann man verschiedene Arten finden. Mit ihren tollen Farben sind sie eine Augenweide!

 

E5 fertig…und dann: welche Touren könntest du empfehlen für E5-Bzwingern?

Das der E5 etwas Spezials ist, das wissen wir alle. Aber natürlich gibt es auch ein „Wanderleben“ nach dem E5. Selber lauf ich auch gerne die zweite Etappe von der E5-Fernwanderweg, von Bozen nach Trient. Die Umwelt ist komplett anders als auf den ersten Abschnitt. Es ist ruhiger, mehr Wald und auch mehr kulinarischer Genuss. Dies kann man auch mit etwas weniger erfahrene Wandern laufen. Dazu gibt es auch Möglichkeiten die Alpen zu Überqueren via eine alternative Route. Dies bietet die Vorteile, dass es viel ruhiger ist als auf der Hauptroute und zeigt die Alpen aus einer anderen Perspektive. Somit eine komplett neue Tour.

Und selber bin ich auch sehr begeistert von Touren im Hohe Tauern Nationalpark in Österreich. In die Nahe von der Großvenediger und Großglockner gibt es unglaublich viele Wander- und Tourenmöglichkeiten. Von angenehmen Tag- und Wochenendtouren, zu eindrucksvollen und herausfordernden mehrtägigen Hüttentouren. Neben dem E5, führ ich auch viele amdere Touren in diesem Raum. Die Natur ist manchmal Hochalpin und Nationalpark aus einem guten Grund. Nur wenige wissen, dass dies der größte Nationalpark im ganzen Alpenraum und inmitten von Europa ist. Also auf jeden Fall einen Besuch wert!

 

@holidayhikes.at

Gabi ist Bergwanderführerin und Eigentümer von Holiday Hikes. Diese Firma organisiert und führt Touren im ganze Alpenraum, Dolomiten und Berchtesgaden. Für weitere Informationen über Touren kannst du gerne bei www.holidayhikes.at vorbeischauen. Für Fragen ist Gabi auch über holidayhikes@outlook.com erreichbar.

Eine Antwort auf „„Es ist und bleibt eine Hammer-Tour!“ – Interview mit Gabi“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.